Das neue Jahrbuch

Von Erich Pawlu

 

Die Mikwe, das jüdischen Ritualbad, in Buttenwiesen schmückt die Titelseite des neuen Jahrbuchs, das der Historische Verein Dillingen für das Jahr 2021 herausgegeben hat.


Foto: Joerg Roller


Auch im Jahr 2021 hat der Historische Verein Dillingen ein Jahrbuch vorgelegt, das Ergebnisse heimatgeschichtlicher Forschung beispielhaft und eindrucksvoll zusammenfasst. Autorinnen und Autoren aus dem Landkreis Dillingen und aus anderen süddeutschen Regionen verdeutlichen mit ihren Beiträgen den Reiz, den die Beschäftigung mit geschichtlichen Fakten und vergangener Kultur auslösen kann.
Für einen glänzenden Auftakt in der Reihe der Beträge sorgt die Untersuchung von Prof. Wolfgang Wüst, Nürnberg, zum Thema "Glaubenskontrolle mit Beichtzettel im katholischen Süden". Die Verpflichtung, einen Beleg für die Osterbeichte vorzulegen, verstand sich offenbar nicht nur als Maßnahme der Gegenreformation, sondern auch als Ordnungsprinzip weltlicher Verwaltungen. Wolfgang Wüst zitiert eine Anordnung der "Dillinger Regierung" aus dem Jahre 1606, wonach "walzende" Handwerks- und Landeskinder, die zur österlichen Zeit der Verpflichtung zur "catholischen beicht und communion" nicht nachkommen, ihr Bürgerrecht verlieren. Bis in das 20. Jahrhundert, so heißt es in Wüsts "Bilanz", sei es üblich gewesen, dass der Ortspfarrer nach dem Pfingstfest als Freund, aber auch als Richter die Familien seiner Gemeinde aufsuchte, um die Beichtzettel einzusammeln.
Einen außergewöhnlichen Informationswert sichert dem Band Felicitas Söhner, Dillingens Stadtarchivarin, mit ihrem Beitrag "Die Dillinger Franziskanerinnen und die Normalschule". Diese Untersuchung zur "Rolle der Klöster im Elementarunterricht im Zeitalter der Säkularisation" gelangt mit der wissenschaftlichen Auswertung historischer Quellen zum Schluss, dass die "bildungspolitischen Prozesse in Dillingen" durch "kluge Entscheidungen" von Ordensoberinnen geprägt worden seien. sodass sie durchaus "Einfluss auf die staatliche Bildungspolitik" ausgeübt hätten. Felicitas Söhner verfasste auch den Beitrag "Messen, Zählen und Wiegen - ein Einblick in die Praxiswelt des Dillinger Bezirksarztes Dr. Josef Schmitt (1866-1933)". Der Obermedizinalrat habe die "lokale Gesundheitsfürsorge" als Schularzt sowie als Begründer der Mütterberatungsstelle und der Säuglingsfürsorge in seiner Zeit entscheidend geprägt.
"Vom fürchterlichen Kellerloch zum begehbaren Denkmal" lautet der Titel einer Arbeit von Johannes Mordstein. Der Wertinger Stadtarchivar beschäftigt sich in detaillierter Ausführlichkeit mit der "Geschichte des jüdischen Ritualbads in Buttenwiesen" und gelangt zur Überzeugung, dass in Bayern "keine weiteren Ritualbadanlagen in freistehenden Häusern in so gutem Erhaltungszustand" zu finden sind.
Erfreuen wird viele Leserinnen und Leser auch der Beitrag "Der Deutsch-Französische Krieg in den Mundartgedichten von Hyazinth Wäckerle und Franz Keller". Verfasser Florian Zacher stammt aus Krumbach und ist heute Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Altes Testament an der Universität Erlangen. Mit zahlreichen Zitaten  aus den Werken der beiden Autoren belegt Zacher seine Auffassung, dass man heute den Mundartgedichten Wäckerles und Kellers mit historischem Verständnis begegnen müsse. "Man darf die Gedichte nicht mit unserer skeptischen Haltung gegenüber einem überhöhten Nationalismus und Militarismus betrachten, der sich erst aus den Erfahrungen der beiden Weltkriege speist." Ihr Wert liege in der Dokumentation einer historischer Mentalität und bayerischer Sprachkultur. Das belege auch ein Auszug aus dem Wäckerle-Gedicht "An da deutscha Kaiser": "Der Feind mag roathe Hosa traga / E`n schwarza Kittel oder Huat, / Der Kaiser weard iahn bald verjaga / Und wenn er no so wüäthig thuat."
Weitere Beiträge lieferten Augsburgs Kreisheimatpflegerin Gisela Mohnkopf ("Die Grabungen des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte im Heimatverein für den Landkreis Augsburg im ehem. jüdischen Ritualbad Buttenwiesen")  Hochschullehrer Thomas Freller ("Vom Bauernsohn zum Regierungsrat mit Ritterdiplom - Stationen der Karriere des Johann Ulrich von Birzele"), Felix Guffler ("Die Hochzeitstracht im Landgericht Wertingen im Jahre 1842"), und Veronika Fischer ("Feldpostbriefe von Michael Herzog aus Gundelfingen").
Abgerundet werden die Inhalte des Bandes mit Besprechungen und Berichten. Vorsitzender Dieter M. Schinhammer vermittelt einen Überblick über die Aktivitäten des Historischen Vereins und Schatzmeister Erwin Rieder verfasste eine Statistik zu den Mitgliederzahlen.
Vorbereitet wurde die Herausgabe des Jahrbuchs vom Redaktionsteam mit Bernhard Ehrhart, Hermann Müller, Johannes Mordstein, Dieter M. Schinhammer und Arnold Schromm. Der Band umfasst 363 Seiten und ist über Schatzmeister Erwin Rieder, Tel. 09074/1750, zum Preis von 25,00 Euro zu beziehen.

 

Seit dem 16.10.2013 sind 112 Jahrgänge des Jahrbuchs des Historischen Vereins Dillingen online verfügbar.
Die Präsentation wurde um 37 Jahrgänge erweitert, komplett neu aufbereitet und ermöglicht jetzt auch die Volltextrecherche und den Download.
Die Digitalisierung dieser landeskundlichen Zeitschrift wird von der Universitätsbibliothek Augsburg in Kooperation mit dem Historischen Verein Dillingen im Rahmen der Bayerischen Landesbibliothek Online durchgeführt.

Eine komfortable bandübergreifende Volltextsuche ist derzeit in Vorbereitung. Übergangsweise verwenden Sie zur bandübergreifenden Suche bitte folgenden Sucheinstieg:

http://digital.bib-bvb.de/R/B23ABLH8NQFLLRDG5PRH2KQXCU6S53FLH6IUYVBXPG1JSA22HY-01705

 

Jahrbuch 2008
 
 

 

Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen

Das Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen erschien zum ersten Mal im Jahre 1888, im Jahr der Gründung des Vereins. Es wird heute als das „Flaggschiff“ des Vereins bezeichnet.

Die ersten Jahrbücher dienten hauptsächlich der Veröffentlichung von Ergebnissen der damals zahlreich stattfindenden archäologischen Ausgrabungen im Landkreis Dillingen. Das Publikationsorgan des Historischen Vereins Dillingen genoss bald so hohes Ansehen in Fachkreisen, dass auch benachbarte historische Vereine, wie die von Oettingen, Neu-Ulm und Günzburg, ihre Ausgrabungsberichte im Dillinger Jahrbuch abdrucken ließen. Von Anfang an erhob das Jahrbuch also einen hohen wissenschaftlichen Anspruch.

Mit einer kleinen Unterbrechung während des II. Weltkriegs erschien das Jahrbuch regelmäßig fortlaufend bis zum heutigen Tag.

Alle Anfragen, Manuskriptsendungen usw., die das Jahrbuch betreffen, werden an folgende Adresse erbeten:

Schriftleitung des Jahrbuchs
des Historischen Vereins Dillingen
Dr. Arnold Schromm
Freybergstraße 1
89407 Dillingen a. d. Donau
Tel.: 09071-71119
e-mail: arnold.g.schromm@gmx.de

Die Mitglieder des Redaktionsteams gehen mit Zuversicht an die Arbeit. Sie verstehen sich als Sachwalter des Vereins, dessen Ziele sie fördern wollen: das historische Bewusstsein der Mitglieder durch Vereinspublikationen weiter zu vertiefen, der Tradition ihren Stellenwert in einer zunehmend orientierungslos gewordenen Gesellschaft zu sichern; denn „Zukunft braucht Herkunft“ (Odo Marquard).

Die Homepage des Vereins bietet dem Benutzer einen vollständigen Zugang zum Register des Jahrbuchs. Alle Jahrbücher bis 2006 sind in diesem Register erfasst.

Die Schriftleitung des Jahrbuchs des Historischen Vereins Dillingen

 

Das Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen ist jetzt auch in digitalisierter Form von Jahrgang 1888 bis 2011 in Volltext-Version einsehbar unter folgender Internet-Adresse:http://digital.bib-bvb.de/R/K7MRKVR6N25UCL2NS1FYA75QR9VMJE2HMCGFGEY3HVHH6MXTJD-00907